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Jan 23

Zeitungsartikel – Tauchkurs für Kinder im Nidderbad

Tauchkurs für Kinder im Nidderbad

19.01.2018 VON HANJA C. PROTZEL

Bereits seit 1979 gibt es in Nidderau einen Landtauchclub, der auch schon Kinder unter Wasser bringt. Dort wird den Jungen und Mädchen alles antrainiert, was sie zum sicheren Abtauchen wissen und können müssen. Ziel ist es, sie fit zu machen für das Tauchen in wirklich tiefen Gewässern.

Kerstin Zschiedrich gibt ihre Tauchbegeisterung weiter,

Nidderau. 

„Ich liebe es, mit Flossen zu schwimmen, das ist so cool!“ und „Wenn man unter Wasser ist und die Fische sehen kann, das ist einfach toll!“: Auf die Frage hin, was die Kinder am Tauchen so fasziniert, hagelt es begeisterte Ausrufe. Die Kinder haben sich ihre Flossen an- und ihre Tauchmasken aufgezogen und warten ungeduldig am Beckenrand darauf, dass das Training losgeht.


Abzeichen ablegen

Mit sechs oder sieben Jahren machen die Kinder die Schnorchel-Abzeichen „Otter“ und „Robbe“. Hierfür müssen sie Strecken-, Zeit- und Abtauchen sowie eine Strecke von 150 bis 200 Meter mit ABC-Ausrüstung schwimmen und die Baderegeln können. Ab acht Jahren beginnt die Kindertauchsport-Ausbildung (KTSA). Hier machen sie zwischen acht und zwölf Jahren ihr Bronze-, Silber- und Gold-Abzeichen. Die Kinder müssen dann mit Gerät tauchen und auch eine schriftliche Prüfung ablegen. Diese umfasst die Themengebiete Medizin, Physik, Gerätekunde und Umwelt. Eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung (TTU) muss jährlich erfolgen.


Zwischen sechs und zehn Kinder trainieren im Nidderbad derzeit einmal wöchentlich. Das Training leitet Kerstin Zschiedrich. Die 49- Jährige taucht schon seit 27 Jahren. Durch ihren Ehemann fand sie zu diesem Hobby. Ihre Begeisterung ist ungebrochen: „Das Tolle ist vor allen Dingen die Ruhe, die man unter Wasser hat, das Beobachten, die Stille.“ Doch auch die sportliche Herausforderung mache das Tauchen aus. „Man muss gesundheitlich und konditionell wirklich fit sein. Beim Apnoe-Tauchen geht man bis an seine Grenzen.“ Apnoe, das ist das Tauchen ohne Gerät – dabei wird die Luft angehalten.

Schwere Ausrüstung

Über 84 Meter weit schaffen das die besten Erwachsenen im Verein. Und auch die Kinder üben das schon. Denn mit Geräten trainieren sie nur im Sommer. Mit Flossen und Schnorchel gleiten sie alle durch das Wasser. Zunächst einmal wird einfach nur die Schwimmfitness trainiert. „Das Schwimmen ist schon ein Hauptbestandteil. Denn zum Tauchen braucht es Kondition“, weiß Zschiedrich.

Zwischen zehn und 15 Kilogramm wiegt eine Tauchausrüstung mit Bleigurt. Das muss erstmal gestemmt werden. Weiter geht es im Training, und nun wird richtig getaucht. Ganz schön lange schon können die Acht- bis Zwölfjährigen unter Wasser schwimmen. „Dass sie so viele verschiedene Übungen machen“, das finden hier eigentlich alle Kinder toll. Und einige Übungen machen sie auch mit Partner. So hängt sich beispielsweise ein Kind bei dem anderen hinten an die Flossen und los geht’s. Solche Übungen sind wichtig: „Denn getaucht wird nie allein“, erzählt Zschiedrich. Und dies sei ein weiterer toller Aspekt am Kindertauchen. „Die Kinder lernen auf die anderen aufzupassen. Verantwortung zu übernehmen. Sich, ihrem Gerät, aber auch den anderen gegenüber.“

So schön wie das Hobby allerdings für Kinder ist, ganz ohne Unterstützung der Eltern geht es dort nicht. „Tauchen ist ein sehr zeitaufwendiger Sport“, berichtet Zschiedrich. „Die Eltern müssen voll und ganz dahinter stehen.“ Denn wenn im Sommer mit Gerät am See getaucht wird, dann heißt das für die Eltern fahren, schleppen, helfen. Die Seen sind meist rund 100 Kilometer weit entfernt, aus dem Auto müssen Flaschen, Gerät und weitere Utensilien getragen werden. Und dann brauchen die Kinder auch noch Hilfe beim Anlegen ihrer Ausrüstung.

Theoretischer Unterricht

Finanziell fällt der Aufwand geringer aus. Schon für fünf Euro im Monat sind die Kinder beim Tauchtraining dabei. Und für das Flossenschwimmen brauchen sie erstmal nur eine ABC-Ausrüstung, also Flossen, Maske und Schnorchel.

Schon mit sechs Jahren kann man mit dem Flossenschwimmen beginnen. Voraussetzung dafür ist allerdings zunächst ein gesundheitliches Okay vom Arzt. Das Gerätetauchen beginnt dann ab acht Jahren. Und natürlich haben die Kinder auch theoretischen Unterricht, denn das Wissen über die richtigen Abläufe und Techniken ist ein unbedingter Sicherheitsfaktor unter Wasser.

Kerstin Zschiedrich macht es großen Spaß, die Kinder zu trainieren. Vor allem liebt sie den Moment, wenn die Jungen und Mädchen zum ersten Mal im richtigen Gewässer, also im See, abgetaucht sind und dann wieder auftauchen: „Die strahlen dann über das ganze Gesicht. Sie sehen so glücklich und zufrieden aus – das ist richtig schön“, erzählt die Trainerin zufrieden.

Kontakt zum Verein

Informationen finden Interessierte unter www.hltc.de im Internet. Vereinsvorsitzender Burkhard Pölker ist erreichbar unter Telefon (061 83) 91 38 77.